> Super Idee. Das wäre das Aus für viele kleine Firmen.
>
> Beispiel:
> Eine kleine Firma entwickelt ein neues, bahnbrechendes Produkt.
> Die kleine Firma kann das Produkt nur selbser langsma im Markt
> verbreiten (Personalaufkommen, Werbeetat, etc.) oder durch größere
> Firmen resellen lassen.
> Ist das Produkt geschützt, ist der kleinen Firma ein Profit sicher.
Das hängt vom Markt ab. Im Pharmabereich gebe ich Dir recht,
im Softwarebereich nicht.
> Ohne Patent jedoch kommt der übergroße Konkurrent, kupfert ab und
> überschwemmt mit seiner Macht den Markt.
Abkupfern kann er nur, wenn es ein Patent gibt, denn nur dann
wird die Funktionsweise ja zwangsläufig veröffentlicht. Dass es
illegal ist, kann in manchen Fällen vom “Großen” umgangen oder
kaschiert werden (durch Variation der Lösung). Handelt es sich
etwa um eine chinesische Firma, wird die Sache eh schwierig,
da China solches Verhalten “seiner” Unternehmen deckt. Außerdem
kann es für einen “Kleinen” sehr teuer werden, das Patent auf der
ganzen Welt gleichzeitig einzureichen. Billiger ist es, das
Produkt einfach zu verkaufen und Geld damit zu machen. Wird es
ein Erfolg, kann man ggf. immer noch überlegen, ob man von dem
Geld in manchen Regionen ein Patent beantragt. Einen Vorsprung
vor der Konkurrenz hat man allemal.
Ist die Erfindungshöhe allerdings so niedrig, dass die Sache
leicht durchschaubar und nachahmbar ist, ist die Sache (zumindest
in der Theorie) sowieso nicht patentfähig.
> Für den Endbenutzer sicherlich toll, da es das Neueste und Beste
> schnell und günstig auf dem Markt gibt. Die kleine Firma hingegen
> wird von selbigem gefegt.
Die Realität sieht im IT-Bereich eher umgekehrt aus. Eine
umfassende Patentrecherche ist unmöglich. Die kleine Firma
wird von jeder Patentklage, die man gegen sie erfolgreich
anstrengt, sofort hinweggefegt. Große wie MS überstehen
dagegen sogar eine Zahlung von einer halben Milliarde USD
ohne Probleme.
> Überwiegend liegen Patente zu Beginn in der Hand von Privatpersonen
> und kleinen Firmen.
M.W. nein. Die meisten Patente werden an Großfirmen vergeben.
Privatpersonen (“freie Erfinder”) waren etwa 2001 im DPMA zu
13% beteiligt (was m.E. als ziemlich viel zu bewerten ist).
> Die Patentstreitigkeiten ruhen daher, dass immer hemmungsloser
> abgekupfert wird – ohne Rücksicht auf Rechte.
M.E. nein. Die kommen daher, dass seit ein paar Jahren
der enorme Boom in der EDV zurückgegangen ist und manche
Unternehmen, die Schwierigkeiten haben (wie SCO) oder
nicht mehr glauben, dass sie aus eigener Kraft noch stark
wachsen können oder missliebige Konkurrenz aus dem Weg
räumen wollen sich dieser Methode zunehmend bedienen.
> Das fängt im privaten Bereich (Raubkopien) an
Das ist ein ganz anderes Thema. In China sind übrigens
über 90% aller SW-Produkte raubkopiert, und zwar schon
seit langem. Bei uns liegt die Quote m.W. unter 20%.
> und zieht sich hoch bis in die höchsten Wirtschaftskreise.
Was meinst Du konkret damit?
> Da eine sehr große Finanzmacht in Übersee sitzt und eine
> kopierkräftige Billig-Fraktion im Osten, könntest Du nach nur kurzer
> Zeit die deutsche Wirtschaft einmotten.
Die ist eher durch ausspionieren bedroht. Industriespionage
wird weithin unterschätzt. Und viele koreanische und japanische
Firmen bauen schon immer deutsche Walzstraßen, deutsche Autos
u.a. nach, trotz Patenten. Was hilft sind hier nicht immer
Patente, sondern Geheimhaltung. Die ja auch von vielen Firmen
betrieben wird. Ohne Geheimhaltung könnten sie alle einpacken.
> Aber wen stört das schon,
> denn die Produkte kommen ja billig in unseren Markt zurück. Geiz ist
> geil! Auch wenn man wegen Arbeitslosigkeit selbst die billigen
> Produkte dann nicht mehr kaufen kann…
Die meisten Produkte, die billig “zurückkommen”, können durch
Patente nicht verhindert werden. Die meisten Produkte wie Kfz,
Waschmaschine, Staubsauger, Kühlschrank, Klimaanlage, Bagger,
Telefon, Videorekorder, Stereoanlage, Rasierer etc. sind nämlich
sozusagen 08/15-Produkte auf hohem Niveau und enthalten nichts,
was man per Patent anderen versagen könnte und das dann dazu
führen würde, dass die Konkurrenz kein brauchbares Äquivalent
herstellen könnte. Kopiert wird hier oft die Formensprache, was
kaum zu verhindern ist und gerade von Koreanern und Japanern v.a.
beim Autobau in extenso betrieben wird.
Ulriko