Re: patente schützen doch innovationen – Protest gegen Software-Patente
> wenn es keine patente geben würde, dann könnte der kleine entwickler
> sich nicht für wenig geld, viele rechte verschaffen.
Theoretisch schon. Patente kosten aber ziemlich viel Geld. Ich hatte
kürzlich ein Gespräch mit dem Chef der Patentabteilung des
Unternehmens in dem ich arbeite (ging um Patente von Privatleuten).
Fazit: Wenn schon ein Abnehmer für ein mögliches Patent bekannt ist,
der das Patent lizenzieren oder kaufen will um damit zu produzieren,
dann *könnte* es sich lohnen, ein Patent einzureichen. In allen
anderen Fällen -> forget it.
> die vergangenheit hat gezeigt, das microsoft mehr als einmal von den
> innovationen der kleinen gelebt hat, indem sie es einfach in ihr
> zugpferd mit eingebaut haben.
Das wird mit SW-Patenten in noch viel stärkerem Masse der Fall sein,
da SW-Patente hauptsächlich für “cross-licensing” verwendet werden.
Das bedeutet, dass Firmen sich gegenseitig vorrechnen, wer wieviele
Patente der jeweils anderen Firma durch den Einsatz in seinen
Produkten verletzt.
Eine kleine SW-Firma, die ihre SW-Patent-Ansprüche durchsetzen will
müsste sehr viele SW-Patente haben um gegen einen großen SW-Konzern
mit vielen (trivialen) Patenten bestehen zu können. Ansonsten könnten
sie vielleicht ihr eines Patent erfolgreich durchsetzen, aber ihre
Produkte nicht mehr verkaufen, da sie hohe Lizenz- bzw. Prozesskosten
für die Patente des Konzerns aufwänden müssten.
Profitieren würden vielleicht reine “Think-Tanks” also Firmen, die
nichts produzieren, sondern nur Patente verkaufen, da sie aufgrund
der nicht vorhandenen Produkte nicht “angreifbar” sind. Weitere
Gewinner sind natürlich Personen, die mit Patentrecht befasst sind
(Patentanwälte, Juristen, …).
Nicht dass ich es den erwähnten Beteiligten (Think-Tanks und
Patentanwälten) nicht gönnen würde, aber davon kann eine Gesellschaft
nicht leben.
Weitere Gewinner sind große SW-Firmen, die nach belieben kleine
Konkurrenten duch eine Lawine von Patentprozessen ausschalten können.
Fazit: Eine kleinere Firma hat keine Chance, im gleichen Marktsegment
zu operieren wie ein Konzern. Wenn der Markt unter der Konzernen erst
mal aufgeteilt ist, dann gibt es keine Konkurrenz mehr. Was das für
den Markt, die Preise und den technischen Fortschritt bedeutet dürfte
wohl klar sein.
> und wenn im aktuellen verfahren mit microsoft der prof. das hätte
> nicht beweisen können, dann hätte ms einfach weiter fremdes (evtl.
> ideelles) gedankengut kommerziell ausbeuten können..
Der Prof. ist hier aber keine Firma. Er er steht nicht in Konkurrenz
zu MS. Würde es sich um eine Firma handeln, dann hätte sie keine
Chance weiterhin ihre SW-Produkte zu vertreiben.
So praktisch SW-Patente für Einzelne auch sein mögen – für kleine
bzw. mittelständische Firmen sind sie Gift. Insbesondere deutsche
Firmen, die quasi alle mittelständisch sind wären Klagen von
Konzernen schutzlos ausgeliefert.
> ansonsten denke ich das softwarepatente viel papierkram bedeuten und
> es nur aufhalten würde.
So ist es.
> aber kann man sich heutzutage schon darauf
> verlassen das sich fuchs und hase gute nacht sagen?
Genau weiss man es erst hinterher, aber dann könnte es zu spät sein.
Und das würde ich nur ungern miterleben müssen.
Nun denn…