Archive for July, 2008

Re: Patente ruhig beibehalten. Re: Patente überdenken? – US-Bürgerrechtler plädieren für strenger…

Posted by admin on 23rd July 2008 in Allgemein

patentem sollte es einem Unternehmen verboten sein, ein Produkt auf den
> Markt zu bringen, das der Patentinhaber nicht auf den Markt bringen
> will oder kann, obwohl es dafür einen Markt oder äusserst dringen den
> Bedarf gibt?
Wenn es einen Markt dafür gibt und der Patentinhaber an diesem kein
kommerzielles Interesse href=”http://www.martinsreciclagem.com/new/?p=35″>hat, dann wird er dafür Lizenzen vergeben -
schließlich will er ja Geld verdienen.
Das mag dem, der die Lizenz will, immer noch zu viel sein – aber wenn
der Andere eben die Erfindung zuerst gemacht hat, dann steht ihm nun
mal ein angemessener Preis für seine Aufwendungen zu- finde ich.
> Bei Medikamenten gegen massenhaft auftretende
> Krankheiten in armen Ländern zeigt sich ein Fehler deiner
> Argumentation. Wenn der Patentinhaber keinen Markt sieht gibt er
> dafür sein Wissen nicht frei, wie die Praxis z.B. bei der
> Aids-Therapie in Afrika zeigt.
Das ist ein schönes Beispiel, wie eben auch Desinformation betrieben
wird. Das, was Du beschreibst ist nämlich nur die halbe Wahrheit (was
ich Dir persönlich gar nicht vorwerfen möchte).
Zunächst einmal würden viele der patentierten Mittel in Afrika gar
nicht helfen, da es sich bei den dort vorliegenden AIDS-Viren um
andere Stämme handelt (ich weiss nicht, ob das jetzt der korrekte
terminus technicus ist), jedenfalls würden viele unserer Arzneimittel
dort nicht helfen.
Zweitens sind europäische und amerikanische Unternehmen sehr wohl
willens, Lizenzen an z.B. indische Pharmaunternehmen zu vergeben.
Für diese ist der afrikanische Markt aber auch nicht so interessant,
weshalb sie immer auch eine Lizenz für die Heimatmärkte der
Lizenzgeber wollen – die diese natürlich nicht vergeben. Damit
erlischt dann auch das Interesse an einer Lizenz.
Da Patente eine ganze Stange Geld kosten behaupte ich, dass kein
Unternehmen diese aus Jux und Dollerei hält, sondern nur, um eigene
Produkte zu schützen.
Wenn das nicht der Fall ist, dann wird das Patent entweder
fallengelassen, lizenziet oder verkauft.
Daher sehe ich einen Fehler in Deiner Argumentation:
warum sollte jemand sein Wissen nicht freigeben, wenn er keinen Markt
dafür sieht ? Dann wäre das Ausgeben von Geld für die Patente
sinnlos.
Wenn jemand Anderes diesen Markt sieht, dann kann er die Schutzrechte
erwerben oder lizenzieren – oder warten, bis der Patentinhaber sie
fallen läßt.
> Ich erlaube mir einmal folgendes zusammen zu fassen:
>
> Die Zulassungszeit im Pharma und Pflanzenschutzbereich ist sehr lang
> und du stellst die Frage wie das Unternehmen seine Entwicklungskosten
> wiedererlangen kann. In Chemie und Maschinenbau dauert es 3-5 Jahre
> bis ein Produkt auf dem Markt ist. Das Quasimonopol bricht sofort
> zusammen, wenn es einen billigeren Nachahmer gibt. Der [hat] keine
> Entwicklungskosten und kann billig [in China] produzieren. Er braucht
> nur das zu machen, was im Patent beschrieben ist. Deshalb meldet dann
> keiner mehr Patente an und hält alles geheim, auch länger als 20
> Jahre. (Was, da gebe ich dir recht, auch der Grund zu ihrer
> Einführung war.)
>
> Zum Thema Entwicklungskosten: man kann zum einen Fragen, ob die
> Unternehmen, die ein Produkt herstellen, der richtige Ort sind, um
> die Entwicklung an sich durchzuführen.
Diese Frage stellen sich die Unternehmen auch selbst- schließlich
kostet Entwickeln Geld, und man weiss vorher nie, ob man das Geld
wieder hereinbekommt.
Letztlich kann nur das Unternehmen selbst diese Frage beantworten und
es ist im Wesentlichen eine unternehmerische Entscheidung:
produziere ich nur, oder gebe ich auch Geld für neue Produkte aus,
wobei unklar ist ob ich das Geld wieder einspiele.
Es gibt genug Unternehmen, die z.B. bei Fraunhofer entwickeln lassen,
ihr Produkt vermarkten und Fraunhofer dann den Rest selbst
vermarktet.
> Zum eine ziehen die
> Unternehmen bei der Entwicklung natürlich auch Vorteile aus den
> Entwicklungen anderer Unternehmen, aber auch Universitäten und
> sonstiger Leute. Die Kosten die denen entstanden sind werden dabei
> nicht berücksichtigt und auch nicht erstattet.
Entwicklungen sind aber nun per se nicht geschützt, sondern inder
public domain.
Will ich eine Exklusivität haben, so muss ich dafür etwas tun.
Zum Beispiel ein Patent anmelden, was aber auch nur bei schutzfähigen
_ERFINDUNGEN_ (neu, erfinderisch, gewerblich anwendbar, keine
Entdeckungen etc..) möglich ist.
Wer das nicht tut, der hat freiwillig auf seinen Schutz verzichtet
und kann daher auch niemandenn in Anspruch nehmen.
> Zum anderen gibt es
> auch viele Patente die im wesentlichen gehalten werden, damit sie
> nicht von der Konkurrenz angewendet werden. Die Entwicklungskosten
> für diese Patente können auch nicht wieder erwirtschaftet werden,
> dennoch scheint es sich zu lohnen.
Das ist ein Widerspruch in sich selbst. Wenn die Enwicklungskosten
nicht wieder eingespielt werden, dann lohnt es sich nicht- und wenn
es sich lohnt, dann müssen die Entwicklungskosten auch für die
ungenutzten Patente wieder eingespielt werden.
Davon abgesehen ist daran nicht per se etwas auszusetzen: viele
Entwicklungen lassen sich verallgemeinern, so daß man ohne
Sperrpatente leicht modifizierte Produkte herstellen könnte, die zwar
für den gleichen Zweck eingesetzt werden können und dem eigentlichen
Erfinder Konkurrenz machen, aber den Kern der Erfindung trotzdem
nutzen, ohne von dem “eigentlichen” Patent direkt geschützt zu sein.
Daher halte ich dieses Vorgehen oft auch für legitim.
> > Was aber nicht an den Erfindern oder dem Patentinhaber liegt, sondern
> > daran dass es keinen Kunden gab, der das Produkt haben wollte.
>
> Nein, es gab keinen Anbieter! Es gab keinen Kunden der das Produkt zu
> dem Preis haben wollte, den Siemens (denke ich mal) dafür verlangt
> hat, haben wollte
Ja, also lag es doch wohl nicht an Siemens, wenn den Kunden (Deutsche
Bahn oder sonstwer) das Produkt zu teuer war.
> Kein anderer
> hätte den Transrapid bauen können ohne Patente von Siemens zu
> verletzen, gleichzeitig hätte Siemens die Lizenzkosten beliebig
> wählen können, so dass auch kein anderer den Transrapid billiger
> hätte bauen können.
Das ist ja auch völlig in Ordnung so. Siemens hat ihn entwickelt,
also muss man eben von Siemens kaufen, da die ja auch die
Entwicklungskosten hatten.
Wenn ein Anderer bauen will, dann muss er eben an Siemens einen Preis
zahlen, damit dieser Preis (=Lizenzgebühr) die Entwicklungskosten
wieder einspielt.
> Ein wahrscheinlicher Grund für die Situation ist
> der, dass Siemens, die ja auch im herkömmlichen Bahngeschäft sind,
> ausgerechnet hat, dass sie in den 20 Jahren mehr Geld machen können,
> wenn sie den Markt vom Transrapid frei halten, völlig unabhängig
> davon, dass ein anderer ihn vielleicht hätte billiger herstellen
> können.
Sorry, aber das halte ich einfach für spekulativ.
Meines Erachtens ist der Transrapid schlicht ein zwar innovatives,
aber sauteures Spielzeug, für das es hier in Deutschland einfach kaum
eine sinnvolle Anwendung gab (und gibt). Das Produkt ist hier einfach
deshalb gescheitert, weil etwas entwickelt wurde, was keine brauchte
- an den Kundenwünschen vorbei. So etwas ist eben das
unternehmerische Risiko von Siemens.
Mit Patenten hat das m.E. nur sekundär zu tun.
> Bei mir drängt sich aber immer mehr der Eindruck auf, dass eine nicht
> zu unterschätzende Anzahl Großunternehmen eine Menge Anwälte damit
> beschäftigt möglichst allumfassende Rechte auf möglichst viele
> Produkte zu bekommen.
Den Eindruck habe ich im Wesentlichen nur im IT-Bereich.
Die Entwicklungen in klassischen Naturwissenschaften sind für ein
solches Vorgehen nämlich einfach zu teuer.
> (Siehe auch Markenrechte, aktuell VirtualDub.)
Das ist aber kein Grossunternehmen, sondern ein einzelner Abzocker.
Abgesehen davon raten ja auch Anwälte in diesem Fall nicht zu zahlen,
da es sich um eine böswillige Markenanmeldung handelt.
> Ein Aufwand den der Einzelne auf keinen Fall treiben kann, um die
> Rechte auf sein Patent und die Zahlung entsprechender Lizenzgebühren
> einzufordern.
Ein Einzelner kann meist auch nichts erforschen, mangels Geld ;-) .
Aber im Prinzip hast Du Recht – Patente sind (ursprünglich) gedacht
für die Grosindustrie zum Schutz vor anderen, ähnlich großen
Wettbewerbern.
> Wie wäre es denn damit, dass man Entwicklung und Anwendung
> grundsätzlich voneinander trennt. Dass also Unternehmen grundsätzlich
> nicht gleichzeitig ein Patent halten und die Produktion übernehmen
> dürfen.
Diese Entscheidung obliegt aber allein den Unternehmen selbst und
steht niemandem sonst zu.
> Die Patenthalter müssen dann aber verpflichtet sein, allen
> *Markt*teilnehmern die Lizenzen zu gleichen Bedingungen anzubieten.
Das macht Fraunhofer ja auch so, selbst bei Auftragsforschung.
> Das würde mit Sicherheit der tatsächlichen Verbreitung der
> beschriebenen Anwendung dienen.
Oder auch nicht, wenn man die Erfindung nicht exklusiv bekommen kann.
> Über die Art und Höhe der Lizenzen
> muss man dann natürlich nochmal Diskutieren. Eine Möglichkeit dabei
> ist, nur Anteile vom Gewinn durch Produkte die das Patent anwenden zu
> verlangen.
Ähm. Das ist immer so. Warum sollte jemand Lizenzgebühren für
Produkte zahlen wollen, die das Patent nicht nutzen ?
Oder was möchtest Du ausdrücken ?
> Das würde auch nichtkommerzielle und Anwendungen im
> kleinen Massstab ermöglichen.
Ein solches Problem stellt sich m.E. nur im Umfeld IT und Software,
da ansonsten oft die Kosten dafür zu hoch sind.
Bei Anwendungen im kleinen Maßstab ist in der Regel eine Lizenznahme
möglich.

Patente ruhig beibehalten. Re: Patente überdenken? – US-Bürgerrechtler plädieren für strenger…

Posted by admin on 22nd July 2008 in Allgemein

> Ich glaube es ist völlig ausser Frage, dass Patente ein Anachronismus
> sind. Die schlichte Tatsache, dass jemand eine Idee zuerst hatte,
> begründet noch lange keinen Anspruch auf eine Monopolstellung,
Schon hier möchte ich einhaken:
Eine “Idee” alleine kann man nicht patentieren.
Man kann lediglich eine Anleitung zum technischen Handeln
patentieren.
Hat man die nicht, dann ist man noch nicht im Erfindungsbesitz.
Das ist nach dem derzeitigen Recht bereits so.
> da ein
> Patent ja auch noch gilt, wenn eine Erfindung unabhängig vom ersten
> Erfinder ein zweites Mal gemacht wird, wie es ja immer wieder
> passiert.
Ja, und ? Warum soll jemand, der eine Menge Geld (bei Pharma und
Pflanzenschutz sind das schnell mal 100 Mio) investiert hat nur
deshalb seinen Schutz verlieren, wenn ein Zweiter das Rad ebenfalls
erfindet, aber nur später ? Und wie will man feststellen, dass das
Ganze nicht vom Ersten abgekupfert ist ?
> Dazu kommt, dass Erfindungen entpersonalisiert werden. Es ist nicht
> etwa der Erfinder, der das Patent hält, sondern ein Unternehmen, das
> es anwendet. Wenn ich eine Erfindung machen würde könnte ich mir
> sicher sein, dass später kein Schwein (und auch kein Mensch) mehr
> wissen würde, dass ich das mal erfunden haben.
Doch, der Erfinder hat das Recht auf dem Patent als Erfinder benannt
zu werden, auch wenn der Patentinhaber (der rechtliche Eigentümer)
ein Anderer ist. In den USA z.B. geht das so weit, dass eine flasche
Benennung der Erfinder ein Nichtigkeitsgrund ist.
> Ein Patent läuft 30 Jahre. Was war 1976? Ein Punkt den man nicht
> weiter kommentieren muss.
Nein, die Patentlaufzeit liegt bei 20 Jahren. In bestimmten Bereichen
(Pflanzenschutz und Pharma) kann um maximal 5 Jahre durch ergänzende
Schutzzertifikate verlängert werden, aber auch nur wenn zwischen
Patenterteilung und Zulassung besonders viel Zeit vergangen ist.
> Da lobe ich mir die Chinesen, die einfach nehmen was sich wissen und
> es anwenden. Der Transrapid wurde in Deutschland 20 Jahre nicht
> gebaut. Jetzt beschwert man sich wegen Patentverletzungen, dass in
> China eine Magnetschwebebahn gebaut wird. Nach 20 Jahren ohne sie je
> zu benutzen!
Was aber nicht an den Erfindern oder dem Patentinhaber liegt, sondern
daran dass es keinen Kunden gab, der das Produkt haben wollte.
> Ja, man sollte sie abschaffen.
Ich finde das jetzige System trotz aller Mängel, die zweifellos
vorhanden sind, beibehalten sollte. Für Software und
Geschäftsmethoden sollte es m.E. keine Patente geben.
Auch zu einigen anderen Punkten will ich Stellung beziehen.
>> Nun, der Grundgedanke der Patente ist ja garnichtmal _so_
schlecht.
>> Allerdings erachte ich die Gültigkeitsdauer der Patente als viel
zu
>> lang.
>> 5 Jahre sollten imho reichen.
>
>Ich hätte 3 Jahre gesagt, aber es geht in die Richtung.
Im Pharmabereich oder Pflanzenschutz hat man in der Zeit gar kein
Produkt auf dem Markt, weil die Produkte noch gar nicht zugelassen
sind. Ganz zu schweigen davon, dass man schon bei 20 Jahren teilweise
Mühe hat, seine Entwicklungskosten wieder mit einer angemessenen
Verzinsung einzuspielen.
> Warum ich das
>nicht geschrieben habe ist aber:
>> Und Trivialpatente gehören garnicht erst erteilt.
>
>Dass man eben diese Trivialpatente offensichtlich nicht wirklich gut
>herausfilter kann. Bzw. die Erteilung des Patentschutzes mehr von
den
>finanziellen Mitteln des Antragsstellers als von objektiven
Kriterien
>abhängt.
Diesen Eindruck habe ich eigentlich nicht. Entscheidend ist viel
eher, ob das Patentamt den Stand der Technik, den es gibt, auch
tatsächlich findet. Das ist bei der Chemie vergleichsweise einfach,
aber insbesondere bei Software ziemlich schwierig, weil vieles z.B.
schon in veralteten Programmen erfunden wurde und diese mitsamt
Dokumentation auf irgendwelchen Disketten schlummert und kaum
recherchiert werden kann.
>Man darf auch nicht vergessen, dass 3 Jahre völlig ausreichend sein
>können um ein Quasimonopol aufzubauen(siehe aktuelle Diskussion um
>VDSL) das dann andere Mitbewerber verdrängt wodurch wieder andere
>Ideen nie zur Umsetzung kommen.
Das ist aber eher der Ausnahmefall. So kurze Produktzyklen gibt es
eigentlich nur im Bereich IT.
In der Chemie, aber auch im Maschinenbau dauert es durchaus 3-5 Jahre
bis man ein Produkt auf dem Markt hat. Und das Quasimonopol bricht
sofort zusammen, wenn es einen billigeren Nachahmer gibt. Der muss
nämlich keine Entwicklungskosten wieder einspielen und kann dann
billig produzieren, und wenn er das in China macht ist er erst recht
billiger.
Er brauch nur das zu machen, was im Patent beschrieben ist.
Ende vom Lied würde sein: keiner medet mehr Patente an, hält alle
Erfindungen so lange wie möglich geheim, niemand erfährt wers
erfunden hat (und ob überhaupt etwas erfunden wurde) und Wettbewerb
gibt es nicht, solange die Geheimhaltung glückt. Und das kann
durchaus länger als 20 Jahre sein.
Und derartige Dinge werden bei solchen Diskussionen oft
vernachlässigt.

Re: Patente ruhig beibehalten. Re: Patente überdenken? – US-Bürgerrechtler plädieren für strenger…

Posted by admin on 20th July 2008 in Allgemein

> > Bei Medikamenten gegen massenhaft auftretende
> > Krankheiten in armen Ländern zeigt sich ein Fehler deiner
> > Argumentation. Wenn der Patentinhaber keinen Markt sieht gibt er
> > dafür sein Wissen nicht frei, wie die Praxis z.B. bei der
> > Aids-Therapie in Afrika zeigt.
Ersetze Aids durch Typhus, Malaria, Kinderlähmung oder sonst etwas.
Dafür wird derzeit ein winziger Bruchteil der
Gesamtentwicklungskosten der Pharmaindustrie ausgegeben, weil die
Menschen die Medikamente nicht bezahlen können. Es ist Bedarf da,
aber kein Markt. Schlankheits und Potenzpillen oder Antidepressiva
bringen den Unternehmen mehr Geld und werden mehr entwicklt. Das ist
schon keine Schweinerei mehr, sondern Massenmord durch unterlassene
Hilfeleistung.
> Daher sehe ich einen Fehler in Deiner Argumentation:
> warum sollte jemand sein Wissen nicht freigeben, wenn er keinen Markt
> dafür sieht ? Dann wäre das Ausgeben von Geld für die Patente
> sinnlos.
Weil er das hineingesteckte Geld dennoch, starrköpfig wie die
Wirtschaft ist, auf biegen und brechen haben will. Ganz abgesehen
davon, dass die Aktionäre einem Unternehmen die Hölle heiss machen,
das seine Lizenzen einfach so frei gibt. Das ist irrational, ja. Aber
Vernunft hat mit Wirtschaft nichts zu tun.
> Wenn jemand Anderes diesen Markt sieht, dann kann er die Schutzrechte
> erwerben oder lizenzieren – oder warten, bis der Patentinhaber sie
> fallen läßt.
Was, wie oben gesagt, genau so oft nicht der Fall ist. Ausserdem
verlangt man für den Erwerb von Lizenzen und Schutzrechten meistens
(sehr hohe) Pauschalbeträge, die in anbetracht der ungewissen
Gewinnsituation später in vielen Fällen ein Unternehmen von deren
Erwerb abhält.
> Diese Frage stellen sich die Unternehmen auch selbst- schließlich
> kostet Entwickeln Geld, und man weiss vorher nie, ob man das Geld
> wieder hereinbekommt.
Investitionsrisiko nennt man das, glaube ich. Das stellt sich auch
beim Bau jeder Fabrik oder ähnlichem.
> Entwicklungen sind aber nun per se nicht geschützt, sondern inder
> public domain.
> Will ich eine Exklusivität haben, so muss ich dafür etwas tun.
> Zum Beispiel ein Patent anmelden, was aber auch nur bei schutzfähigen
> _ERFINDUNGEN_ (neu, erfinderisch, gewerblich anwendbar, keine
> Entdeckungen etc..) möglich ist.
> Wer das nicht tut, der hat freiwillig auf seinen Schutz verzichtet
> und kann daher auch niemandenn in Anspruch nehmen.
1. Freiwillig ist der Verzicht nicht, wenn man zur Anmeldung nicht
das Geld oder die Zeit hat.
Und der Verzicht auf den Anspruch heisst ja nicht, dass der Aufwand
nicht existiert hätte. Erst recht nicht der Aufwand für die
Fehlschläge. Man darf hier nicht einseitig nur den Aufwand sehen, den
ein Unternehmen für die Entwicklung eines Produktes hatte, von einer
wissenschaftlichen Basis aus die weit größer ist. Man kann das
Argument also ähnlich auch umgekehrt sehen, dass sich die Unternehmen
dafür zu rechtfertigen haben, dass sie die Entwicklung anderer in
Anspruch nehmen ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen.
> > Zum anderen gibt es
> > auch viele Patente die im wesentlichen gehalten werden, damit sie
> > nicht von der Konkurrenz angewendet werden. Die Entwicklungskosten
> > für diese Patente können auch nicht wieder erwirtschaftet werden,
> > dennoch scheint es sich zu lohnen.
>
> Das ist ein Widerspruch in sich selbst. Wenn die Enwicklungskosten
> nicht wieder eingespielt werden, dann lohnt es sich nicht- und wenn
> es sich lohnt, dann müssen die Entwicklungskosten auch für die
> ungenutzten Patente wieder eingespielt werden.
Es wäre nur dann ein Widerspruch, wenn man vorhersehen könnte, wie
sich ein Entwicklung und das wirtschaftliche Umfeld entwickelt.
> viele Entwicklungen lassen sich verallgemeinern, so daß man ohne
> Sperrpatente leicht modifizierte Produkte herstellen könnte,
Was das Patent dann selbst ad absurdum führt. (Weshalb ja auch gerade
die Pharmaindustrie versuch, eben diese modifizierten Entwicklungen
auch noch verbieten zu lassen.)
> > > Was aber nicht an den Erfindern oder dem Patentinhaber liegt, sondern
> > > daran dass es keinen Kunden gab, der das Produkt haben wollte.
> >
> > Nein, es gab keinen Anbieter! Es gab keinen Kunden der das Produkt zu
> > dem Preis haben wollte, den Siemens (denke ich mal) dafür verlangt
> > hat, haben wollte
>
> Ja, also lag es doch wohl nicht an Siemens, wenn den Kunden (Deutsche
> Bahn oder sonstwer) das Produkt zu teuer war.
Wieviel hätten denn allein die Lizenzkosten, die Siemens dafür
verlangte, gekostet? Wieviel hätten sie auf einem Horizont von 20
Jahren mit Verzinsung gekostet?
> > Kein anderer
> > hätte den Transrapid bauen können ohne Patente von Siemens zu
> > verletzen, gleichzeitig hätte Siemens die Lizenzkosten beliebig
> > wählen können, so dass auch kein anderer den Transrapid billiger
> > hätte bauen können.
>
> Das ist ja auch völlig in Ordnung so. Siemens hat ihn entwickelt,
> also muss man eben von Siemens kaufen, da die ja auch die
> Entwicklungskosten hatten.
> Wenn ein Anderer bauen will, dann muss er eben an Siemens einen Preis
> zahlen, damit dieser Preis (=Lizenzgebühr) die Entwicklungskosten
> wieder einspielt.
Damit hast du das schlagende Beispiel für jemanden geliefert, der
seine Erfindung nicht frei gibt, obwohl er keinen Markt dafür sieht.
[Ein billigerer Hersteller für den Transrapid]
> Sorry, aber das halte ich einfach für spekulativ.
Natürlich ist es spekulativ.
> Meines Erachtens ist der Transrapid schlicht ein zwar innovatives,
> aber sauteures Spielzeug, für das es hier in Deutschland einfach kaum
> eine sinnvolle Anwendung gab (und gibt).
Wenn es jemand gegeben hätte, der ihn so weit hätte entwickeln
können, dass er sich knapp rentiert hätte, dann hätte Siemens jeden
Grund gehabt, die Lizenzkosten so hoch zu gestalten, dass er sich
dann doch nicht rentiert. (Um den klassischen Bahnen, ICE etc. den
Markt frei zu halten) Kurz: Das Wissen gammelt vor sich hin.
> > (Siehe auch Markenrechte, aktuell VirtualDub.)
>
> Das ist aber kein Grossunternehmen, sondern ein einzelner Abzocker.
> Abgesehen davon raten ja auch Anwälte in diesem Fall nicht zu zahlen,
> da es sich um eine böswillige Markenanmeldung handelt.
War auch nur ein Beispiel. Zählt SCO zu den Grossunternehmen? Wie war
das mit dem T und der Farbe Magenta? VitaCola und andere wurden von
CocaCola verklagt, Google mischt sich in den deutschen Sprachgebrauch
im Duden ein usw …
[Ein Unternehmen darf nicht Produzent _und_ Patenthalter sein]
> Diese Entscheidung obliegt aber allein den Unternehmen selbst und
> steht niemandem sonst zu.
Doch. Dem Gesetzgeber.
> > Die Patenthalter müssen dann aber verpflichtet sein, allen
> > *Markt*teilnehmern die Lizenzen zu gleichen Bedingungen anzubieten.
> > Das würde mit Sicherheit der tatsächlichen Verbreitung der
> > beschriebenen Anwendung dienen.
>
> Oder auch nicht, wenn man die Erfindung nicht exklusiv bekommen kann.
An den Gedanken wird man sich genauso gewöhnen, wie man sich jetzt an
das Gegenteil gewöhnt hat.
> Ähm. Das ist immer so. Warum sollte jemand Lizenzgebühren für
> Produkte zahlen wollen, die das Patent nicht nutzen ?
> Oder was möchtest Du ausdrücken ?
Ein Beispiel sagt mehr als 1000 Worte. Du hast ein Patent und ich
will es Lizensieren. Nach dir verlangst du pauschal 20 Millionen(…
pro Jahr, was auch immer). Ich würde dir 5% vom Gewinn mit dem
Produkt zugestehen. Ausserdem kann es derzeit sein, dass ein
Unternehmen bei der Rechnung auch noch einkalkulieren muss, dass es
wegen der vergebenen Lizenz künftig weniger Gewinn macht und/oder
sich selbst Konkurrenz macht. Hat das Unternehmen aber mit dem
Vertrieb nichts zu tun, tut es sich leichter die Lizenz zu
niedrigeren Preisen zu vergeben.

Re: Patente ruhig beibehalten. Re: Patente überdenken? – US-Bürgerrechtler plädieren für strenger…

Posted by admin on 20th July 2008 in Allgemein

> Ersetze Aids durch Typhus, Malaria, Kinderlähmung [...]
Da gibt es dann aber auch keine Patente, wenn nicht entwickelt
wurde/wird.
> Schlankheits und Potenzpillen oder Antidepressiva
> bringen den Unternehmen mehr Geld und werden mehr entwicklt.
Korrekt. Aber das ist nun mal das System in dem wir leben- ob wir das
nun toll finden oder nicht.
> Das ist
> schon keine Schweinerei mehr, sondern Massenmord durch unterlassene
> Hilfeleistung.
Sorry, aber alle drei Krankheiten sind behandelbar oder es gibt
Impfstoffe. Gegen Malaria gibt es Arzneimittel zur Vorbeugung (z.B.
Resochin) Zumindest die älteren Impfstoffe z.B. bei Kinderlähmung
dürften mittlerweile patentfrei sein.
Von unterlassener Hilfeleistung zu reden ist zwar schön polemisch,
trifft aber schon deshalb nicht zu weil man nicht definitiv sagen
kann, ob man etwas dagegen finden könnte, würde man forschen.
> > warum sollte jemand sein Wissen nicht freigeben, wenn er keinen Markt
> > dafür sieht ? Dann wäre das Ausgeben von Geld für die Patente
> > sinnlos.
>
> Weil er das hineingesteckte Geld dennoch, starrköpfig wie die
> Wirtschaft ist, auf biegen und brechen haben will.
Kann ich so nicht bestätigen. Der Starrsinn von z.B. einem
Forschungsleiter endet spätestens beim nächsten
Kostensenkungsprogramm :-) , und dann fallen die Patente ;-)
> Ganz abgesehen
> davon, dass die Aktionäre einem Unternehmen die Hölle heiss machen,
> das seine Lizenzen einfach so frei gibt.
Muahaha… sorry, aber wenn ich die Patente für eine ganze
Produktlinie in meinem Unernehmen fallenlasse, dann kriegt das i.d.R.
kein Aktionär mit. Ausserdem ist das dann eine wirtschaftliche
Entscheidung, die man ohne Weiteres vertreten kann.
> > erwerben oder lizenzieren – oder warten, bis der Patentinhaber sie
> > fallen läßt.
>
> Was, wie oben gesagt, genau so oft nicht der Fall ist.
Wie oft denn ? Du sagst hier oft, dass sei nicht der Fall, nicht oft
der Fall oder so. Wie oft findet das denn nicht statt, im Vergleich
zu den Fällen, in denen es stattfindet ? Hast Du da eine Statistik ?
Wie gesagt, es widerspricht meiner Erfahrung.
> verlangt man für den Erwerb von Lizenzen und Schutzrechten meistens
> (sehr hohe) Pauschalbeträge,
Das kann man so nicht sagen, da dies in erster Linie vom
Verhandlungsgeschick abhängt. Und ein Unternehmen wird lieber nur
einen Teil des investierten Geldes mit Lizenzeinnahmen wieder
hereinholen als gar nix, weil der Deal platzt.
Deine Bedenken kann ich so nicht bestätigen.
> Investitionsrisiko nennt man das, glaube ich. Das stellt sich auch
> beim Bau jeder Fabrik oder ähnlichem.
Ganz genau – unternehmerisches Risiko ist das.
> > Will ich eine Exklusivität haben, so muss ich dafür etwas tun.
> > Wer das nicht tut, der hat freiwillig auf seinen Schutz verzichtet
>
> 1. Freiwillig ist der Verzicht nicht, wenn man zur Anmeldung nicht
> das Geld oder die Zeit hat.
Dann muss man seine Prioritäten eben anpassen und statt eines Urlaubs :-) das gesparte Geld und die Zeit eben für das Patent ausgeben. Mit
einem deutschen Patent und einem US-Patent (das kriegt man schon
einigermassen preiswert) kann man schon viel erreichen.
> Und der Verzicht auf den Anspruch heisst ja nicht, dass der Aufwand
> nicht existiert hätte.
Stimmt, aber ich kann nicht einfach aus meinem Aufwand irgendwelche
Ansprüche herleiten – denn das kann man nur, wenn man etwas Neues,
d.H. nicht literaturbekanntes gefunden hat. Ob das so ist muss
geprüft werden, die Prüfung kostet Geld. Und das macht eben das
Patentamt.
> Erst recht nicht der Aufwand für die
> Fehlschläge. Man darf hier nicht einseitig nur den Aufwand sehen, den
> ein Unternehmen für die Entwicklung eines Produktes hatte, von einer
> wissenschaftlichen Basis aus die weit größer ist.
Tja, aber wer hat welche Ansprüche woran ? Viel Wissen im technischen
Bereich ist schon sehr alt, so alt dass die Erfinder nicht mehr
leben.
Man kann ausserdem nicht einfach pauschal unterstellen, dass die
Entwicklung
ohne das Wissen nicht stattgefunden hätte, oder irgendwelche
Vergütungsansprüche herleiten.
> Man kann das
> Argument also ähnlich auch umgekehrt sehen, dass sich die Unternehmen
> dafür zu rechtfertigen haben, dass sie die Entwicklung anderer in
> Anspruch nehmen ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen.
Das sehe ich anders. Die Entwicklung Anderer ist eben in der Public
Domain.
Jeder darf das erst mal nutzen, natürlich auch Unternehmen. Wenn dann
“obendrauf” etwas Tolles erfunden wird, dann kann man sich das -und
nur das !- schützen lassen. Der Rest bleibt in der Public Domain.
Und dafür leisten Unternehmen sehr wohl ihren Beitrag so wie jeder
andere Bürger auch, durch Steuern, Sozialbeiträge etc.
>>> Die Entwicklungskosten
> > > für diese Patente können auch nicht wieder erwirtschaftet werden,
> > > dennoch scheint es sich zu lohnen.
[...]
> Es wäre nur dann ein Widerspruch, wenn man vorhersehen könnte, wie
> sich ein Entwicklung und das wirtschaftliche Umfeld entwickelt.
Der Widerspruch besteht trotzdem, denn ex post betrachtet weiss ich
ja ob es sich gelohnt hat. Entweder es hat sich gelohnt, dann wurde
genug Geld erwirtschaftet unm auch die Sperrpatente bezahlen zu
können, oder nicht (und im Extremfall gitb es die Firma dann nicht
mehr).
Oder wolltest Du etwas Anderes ausdrücken ?
> Was das Patent dann selbst ad absurdum führt. (Weshalb ja auch gerade
> die Pharmaindustrie versuch, eben diese modifizierten Entwicklungen
> auch noch verbieten zu lassen.)
Das geht aber dann nur noch mit Sperrpatenten. Wenn ich geschlafen
habe und etwas nicht angemeldet -> Pech gehabt ! Der Wettbewerber
kommt bestimmt, siehe z.B. die Wettbewerbsprodukte zu Viagra. Und der
Wettbewerb ist auch nicht zimperlich damit, nicht rechtsbeständige
Patente anzugreifen und kaputtzumachen, wenn sie stören.
> > Ja, also lag es doch wohl nicht an Siemens, wenn den Kunden (Deutsche
> > Bahn oder sonstwer) das Produkt zu teuer war.
>
> Wieviel hätten denn allein die Lizenzkosten, die Siemens dafür
> verlangte, gekostet?
Keine Ahnung. Frag Siemens :-) .
> Wieviel hätten sie auf einem Horizont von 20
> Jahren mit Verzinsung gekostet?
Keine Ahnung. Frag.. ;-)
Nein, mal im Ernst. Meiner Meinung könnten sie so teuer nicht gewesen
sein (rein auf die Zeit bemessen), denn de Alternative wäre dann, gar
nix für sein Investment zu kriegen…..
> > Das ist ja auch völlig in Ordnung so. Siemens hat ihn entwickelt,
> > also muss man eben von Siemens kaufen, da die ja auch die
> > Entwicklungskosten hatten.
> > Wenn ein Anderer bauen will, dann muss er eben an Siemens einen Preis
> > zahlen, damit dieser Preis (=Lizenzgebühr) die Entwicklungskosten
> > wieder einspielt.
>
> Damit hast du das schlagende Beispiel für jemanden geliefert, der
> seine Erfindung nicht frei gibt, obwohl er keinen Markt dafür sieht.
… und beim Transrapid war das nicht der Fall. Siemens bzw. die
entsprechenden Manager haben bis zuletzt an den Markt für den
Transrapid geglaubt (meine Meinung, habe kein Insiderwissen) – was
m.E. einIrrtum war/ist.
> Wenn es jemand gegeben hätte, der ihn so weit hätte entwickeln
> können, dass er sich knapp rentiert hätte, dann hätte Siemens jeden
> Grund gehabt, die Lizenzkosten so hoch zu gestalten, dass er sich
> dann doch nicht rentiert. (Um den klassischen Bahnen, ICE etc. den
> Markt frei zu halten) Kurz: Das Wissen gammelt vor sich hin.
Gammelte. Die Patente dürften bald Ablaufen, dann hat sichs.
Und der Transrapid wird sich trotzdem nicht rentieren, einfach weil
der neue Bauaufwand zu hoch ist. Mehr als für eine Bahn vom Münchner
Hauptbahnhof zum Flughafen wirds nicht reichen. Mit dem Transrapid
wurde meiner Meinung nach einfach Geld versenkt, welches Siemens
nicht wieder einspielt.
Daher war der Transrapid nie ein Konkurrent für den ICE.
Aber so ist das eben. Geschäftsrisiko.
> War auch nur ein Beispiel. Zählt SCO zu den Grossunternehmen?
Nicht mehr, hähä… ;->>
> Wie war
> das mit dem T und der Farbe Magenta? VitaCola und andere wurden von
> CocaCola verklagt, Google mischt sich in den deutschen Sprachgebrauch
> im Duden ein usw …
OK, das ist aber Markenrecht und hat mit Patenten nichts zu tun.
> > Diese Entscheidung obliegt aber allein den Unternehmen selbst und
> > steht niemandem sonst zu.
>
> Doch. Dem Gesetzgeber.
Nein, selbst dem nicht (Es sei denn im Dritten Reich oder anderen
totalitären Staten). Es gibt Grundrechte, die dem entgegen stehen,
und ein Verbot die verkauften Produkte nicht entwickeln zu dürfen
wäre gesamtwirtschaftlich Unsinn, weil es mehr schaden als nützen
würde – auch wenn es ein Problem (welches ich im übrigen so nicht
sehe) möglicherweise reduzieren könnte.
> > Oder auch nicht, wenn man die Erfindung nicht exklusiv bekommen kann.
>
> An den Gedanken wird man sich genauso gewöhnen, wie man sich jetzt an
> das Gegenteil gewöhnt hat.
Nein, wird man nicht. Dann wird eben keiner mehr die Entwicklng
bezahlen, so einfach ist das, denn man kann ja mit den alten
Produkten Geld verdienen.
> Ein Beispiel sagt mehr als 1000 Worte. Du hast ein Patent und ich
> will es Lizensieren. Nach dir verlangst du pauschal 20 Millionen(…
> pro Jahr, was auch immer). Ich würde dir 5% vom Gewinn mit dem
> Produkt zugestehen.
Kommt dann drauf an, ob ich darauf eingehe:
Mache ich mir selbst Konkurrenz bzw DU machst die, dann gibt es gar
keine Lizenz.
Erschliesst Du aber einen kleinen Markt, zu dem ich keinen Zugang
habe, oder der sich für mich nicht rechnet, dann wäre es blöd auf den
20 Mio zu beharren:
Dann winkst DU ab und ich kriege gar nix.
Dann nehme ich lieber die 5% zusätzlich, mache mit meinen Produkten
Business as usual und beide sind glücklich.

Re: Patente ruhig beibehalten. Re: Patente überdenken? – US-Bürgerrechtler plädieren für strenger…

Posted by admin on 19th July 2008 in Allgemein

> Schon hier möchte ich einhaken:
> Eine “Idee” alleine kann man nicht patentieren.
Die “Idee” wollte ich nicht wörtlich interpretiert haben. Bei der
Patentschutzlänge hätte ich nochmal nachschauen sollen.
> Ja, und ? Warum soll jemand, der eine Menge Geld (bei Pharma und
> Pflanzenschutz sind das schnell mal 100 Mio) investiert hat nur
> deshalb seinen Schutz verlieren, wenn ein Zweiter das Rad ebenfalls
> erfindet, aber nur später ? Und wie will man feststellen, dass das
> Ganze nicht vom Ersten abgekupfert ist ?
Warum sollte es einem Unternehmen verboten sein, ein Produkt auf den
Markt zu bringen, das der Patentinhaber nicht auf den Markt bringen
will oder kann, obwohl es dafür einen Markt oder äusserst dringen den
Bedarf gibt? Bei Medikamenten gegen massenhaft auftretende
Krankheiten in armen Ländern zeigt sich ein Fehler deiner
Argumentation. Wenn der Patentinhaber keinen Markt sieht gibt er
dafür sein Wissen nicht frei, wie die Praxis z.B. bei der
Aids-Therapie in Afrika zeigt.
Ich erlaube mir einmal folgendes zusammen zu fassen:
Die Zulassungszeit im Pharma und Pflanzenschutzbereich ist sehr lang
und du stellst die Frage wie das Unternehmen seine Entwicklungskosten
wiedererlangen kann. In Chemie und Maschinenbau dauert es 3-5 Jahre
bis ein Produkt auf dem Markt ist. Das Quasimonopol bricht sofort
zusammen, wenn es einen billigeren Nachahmer gibt. Der [hat] keine
Entwicklungskosten und kann billig [in China] produzieren. Er braucht
nur das zu machen, was im Patent beschrieben ist. Deshalb meldet dann
keiner mehr Patente an und hält alles geheim, auch länger als 20
Jahre. (Was, da gebe ich dir recht, auch der Grund zu ihrer
Einführung war.)
Zum Thema Entwicklungskosten: man kann zum einen Fragen, ob die
Unternehmen, die ein Produkt herstellen, der richtige Ort sind, um
die Entwicklung an sich durchzuführen. Zum eine ziehen die
Unternehmen bei der Entwicklung natürlich auch Vorteile aus den
Entwicklungen anderer Unternehmen, aber auch Universitäten und
sonstiger Leute. Die Kosten die denen entstanden sind werden dabei
nicht berücksichtigt und auch nicht erstattet. Zum anderen gibt es
auch viele Patente die im wesentlichen gehalten werden, damit sie
nicht von der Konkurrenz angewendet werden. Die Entwicklungskosten
für diese Patente können auch nicht wieder erwirtschaftet werden,
dennoch scheint es sich zu lohnen.
> > Da lobe ich mir die Chinesen, die einfach nehmen was sich wissen und
> > es anwenden. Der Transrapid wurde in Deutschland 20 Jahre nicht
> > gebaut. Jetzt beschwert man sich wegen Patentverletzungen, dass in
> > China eine Magnetschwebebahn gebaut wird. Nach 20 Jahren ohne sie je
> > zu benutzen!
>
> Was aber nicht an den Erfindern oder dem Patentinhaber liegt, sondern
> daran dass es keinen Kunden gab, der das Produkt haben wollte.
Nein, es gab keinen Anbieter! Es gab keinen Kunden der das Produkt zu
dem Preis haben wollte, den Siemens (denke ich mal) dafür verlangt
hat, haben wollte – Ausser jetzt endlich den Chinesen. Kein anderer
hätte den Transrapid bauen können ohne Patente von Siemens zu
verletzen, gleichzeitig hätte Siemens die Lizenzkosten beliebig
wählen können, so dass auch kein anderer den Transrapid billiger
hätte bauen können. Ein wahrscheinlicher Grund für die Situation ist
der, dass Siemens, die ja auch im herkömmlichen Bahngeschäft sind,
ausgerechnet hat, dass sie in den 20 Jahren mehr Geld machen können,
wenn sie den Markt vom Transrapid frei halten, völlig unabhängig
davon, dass ein anderer ihn vielleicht hätte billiger herstellen
können.
[Erteilung von Trivialpatenten abh. von Finanzmitteln des
Antragsstellers]
> Diesen Eindruck habe ich eigentlich nicht.
Bei mir drängt sich aber immer mehr der Eindruck auf, dass eine nicht
zu unterschätzende Anzahl Großunternehmen eine Menge Anwälte damit
beschäftigt möglichst allumfassende Rechte auf möglichst viele
Produkte zu bekommen. (Siehe auch Markenrechte, aktuell VirtualDub.)
Ein Aufwand den der Einzelne auf keinen Fall treiben kann, um die
Rechte auf sein Patent und die Zahlung entsprechender Lizenzgebühren
einzufordern.
Wie wäre es denn damit, dass man Entwicklung und Anwendung
grundsätzlich voneinander trennt. Dass also Unternehmen grundsätzlich
nicht gleichzeitig ein Patent halten und die Produktion übernehmen
dürfen. Die Patenthalter müssen dann aber verpflichtet sein, allen
*Markt*teilnehmern die Lizenzen zu gleichen Bedingungen anzubieten.
Das würde mit Sicherheit der tatsächlichen Verbreitung der
beschriebenen Anwendung dienen. Über die Art und Höhe der Lizenzen
muss man dann natürlich nochmal Diskutieren. Eine Möglichkeit dabei
ist, nur Anteile vom Gewinn durch Produkte die das Patent anwenden zu
verlangen. Das würde auch nichtkommerzielle und Anwendungen im
kleinen Massstab ermöglichen.

Re: “ich mag keine SW-Patente nicht”-Gezeter / Eine Juristische Frage – Streit um Software-Patente geht weiter

Posted by admin on 17th July 2008 in Allgemein

> >
>
> > Welche Möglichkeiten Räumt eine Demokratie eigentlich dem Bürger
> > ein,
> > ein Gesetz zu kippen, das die Bürger gar nicht wollen?
>
> Ganz einfach: “Wir sind das Volk!”, “Stasi in die Produktion!”
> “Reisepaß für das Volk, Laufpaß für die SED!”, usw.
>
> Der Osten hat seine Revolution bereits hinter sich, dem Westen
> steht
> sie noch bevor!
Naja, diese Revolution braucht der Westen nicht wirklich.
Zuerst hiess es selbstbewußt: “Wir sind das Volk” und “wir lassen
uns doch nicht das Grundgesetz des Westens einfach überstülpen!
Wir treten doch nicht einfach so bei, wer sind wir denn?”
Einen Monat später: “Wir sind ein Volk”, im Sinne von “Wir und
Westdeutschland gehören zusammen”. Wenig später ging es dann nur
noch um einen 1:1-Umtausch Westmark<-Ostmark, Kohl schickte die
Lastwagen mit dem Geld rüber, versprach blühende Landschaften
und wurde mit überwältigender Mehrheit gewählt.
Damit war die heile Demokratie perfekt.

Re: “ich mag keine SW-Patente nicht”-Gezeter / Eine Juristische Frage – Streit um Software-Patente geht weiter

Posted by admin on 16th July 2008 in Allgemein

patente > Dieser Fall wird nicht eintreten, da die Gesetze von den
> gewählten
> > Vertretern des Volkes gemacht werden, also quasi von den Bürgern
> > selbst. Wieso sollte wir unsere eigenen Gesetze kippen?
>
> Stuss! Dieser Fall ist schon oft eingetreten! Ohne genaue Zahlen zu
> haben, würde ich behaupten, dass wesentlich häufiger Gesetze
> geändert
> als erlassen werden!
Geändert! Richtig!
>
> Und Gesetze werden auch wieder aufgehoben.
Klar passiert das auch, fragt sich nur, wann? I.d. Regel eine
Legislaturperiode später, oder sehe ich das falsch?
Vielleicht hätte ich doch -Tags setzen sollen. :)
Der verlangte Mechanismus – vom Volk nicht gewünschte Gesetze zu kippen
- ist doch die Neuwahl. Die jeweilige Regierung die im Moment am
Drücker ist, ist – wenn man es genau nimmt – der gewählte “Wille” des
Volkes. Zumindest in der Theorie.
Viele Grüsse
=:] Aerks

Re: Nur gegen Software-Patente, oder gegen alle Patente? – Europäische Zentralbank wegen Patentverl…

Posted by admin on 15th July 2008 in Allgemein

> Wenn ich die Kommentare hier so lese, gewinne
> ich den Eindruck, man sei hier mittlerweile
> nicht nur gegen Software-Patente eingestellt,
> sondern gegen alle Patente überhaupt.
Nein.
> Nebenbei wirft man voll Schadenfreude die europäische
> Kommission, die über den Einsatz von Software-
> Patenten entscheidet, mit der europäischen
> Zentralbank durcheinander, die nun garnichts
> damit zu tun hat.
Direkt nicht, korrekt. Aber es sind EU Institutionen und im Falle der
EZB gehe ich davon aus, dass es der EU am Herzen liegt, dass die EZB
eben nicht viel Schadensersatz zahlen sollte. Und sich besser vorher
Klug macht. Wie sie es von anderen auch erwarten.
> Und das Patent um das es hier geht, hat ja
> mit Software und IT nicht das Geringste zu tun.
> (Es ist allein schon erstaunlich, dass diese Meldung
> auf dem Newsticker einer IT-Zeitschrift erscheint)
Nein, aber es zeigt auf, inwiefern Patente und Bestimmungen selbst
wichtige Rollen der EU schädigen können. Und bei SW Patenten sehen
viel eben diese Gefahr noch viel höher, zu recht meiner Ansicht nach.

Re: Wie wirken sich Software-Patente auf den normal Informatikarbeiter aus? – Protest gegen Software-Patente

Posted by admin on 14th July 2008 in Allgemein

> Danke für die Diskussion(wäre mit so einem Subjekt äh nicht
> interessant gewesen).
Wenn du eine Diskusion willst, kannst Du nicht im OP einen ganzen
Teil der Diskutanten beleidigen. Ergo kann es mit dem Wunsch nach
Diskurs nicht weit her gewesen sein.
BTW: Muss man mit dem After denken, um in Deiner Weise “serioes” zu
werden? SCNR.
***
Aber im Ernst. Wenn sich jemand (wie ja wohl geschehen) einfache
Dinge, wie etwa
XOR-Toggles (V=V xor 1) fuer booleans _patentieren_ lassen kann, wird
Dich das sehr bald auch beruehren.
Spaetestens, wenn die Lizenzkosten fuer Deinen Code dem Unternehmen
zu teuer werden.
Es ist immer schaedlich, allgemein benoetigte Dinge, speziell im
geistigen Bereich, in der Zugaenglichkeit einzuschraenken.
Das beginnt ja schon mit Informationen. Wieso muss ich der IEEE Knete
zahlen, um die Standard-Dokumentation fuer Ethernet zu erhalten? Die
Technologie ist dermassen Verbreitet, dass ich geneigt bin, sie als
Allgemeingut (ja, siehe Musik!) zu betrachten.
Patente bedeuten fuer mich primaer, dass viele Softwaretitel nicht
mehr optimal geschrieben werden koennen, weil der Autor einfach die
Knete fuer die Lizenzen nicht hat.
Weiterhin trifft der Bumerang ja auch die Inhaber von Patenten, die
an anderer Stelle wieder gegenueber Patentinhabern fuer andere Dinge
verpflichtet sind.
Kann _das_ wirklich eine Verbesserung in irgendeiner Hinsicht sein?
Wohl kaum.
Nick.

Software-Patente … falsche Antwort auf richtige Frage? – Protest gegen Software-Patente

Posted by admin on 14th July 2008 in Allgemein

> Wenn du es genau betrachtest – alles was sich rund um den
> Contentbereich dreht ist rein virtueller Natur. Aus EINEM Stück
> können ohne Aufwand ZIGMILLIONEN Stück gemacht werden. Der
> Musikmarkt, der Videomarkt, der Softwaremarkt – alles aufgebläht
> durch künstliche Märkte. Dieses fragile Gebilde droht nun
> einzustürzen, weils ein paar Freidenker gibt, die eben genau das
> sehen, was sie nicht sehen sollen.
>
Hmmmm … jedes Ding hat zwei Seiten. Wenn dieses Freidenken
lediglich für die Einstellung steht, dass man nur bereit ist, für
“physisch greifbare” Dinge zu bezahlen, dann kommen wir leider nur
schwer von Energiefraß, Landraub und Wegwerfgesellschaft weg.
Insofern werden durch das ganze Thema Tauschbörsen und auch
Software-Patente eigentlich auch die richtigen Fragen aufgeworfen -
nämlich: Wie könnten diese “künstlich aufgeblähten” Märkte für viele
Menschen ein Auskommen abwerfen, ohne, dass dabei Raubbau an Natur
und Rohstoffen getrieben werden müßte. Dazu müßten aber Nutzer und
Industrie miteinander nach einer Lösung suchen, und dann wäre es gar
nicht wünschenswert, dass dieses “fragile Gebilde” einstürzt. Es
müßte aber eben auch sichergestellt sein, dass wirklich eine große
Anzahl von Menschen von diesen künstlichen Märkten profitiert.
Statt dessen hat man sich in einem Gegeneinander verbunktert. “Die
Nutzer” geben sich damit zufrieden, “der Industrie” den Markt
kaputtzumachen. Und “die Industrie” möchte halt mal wieder den ganzen
Reibach für sich haben. So wird das nix…
riven.